Die Instrumente

Das Practice Chanter und Pipe Chanter

Chanter und Practice Chanter sind kurz gesagt die Melodiepfeifen. Mit dem Begriff Chanter ist die Melodiepfeife der Pipes (Dudelsack) beschrieben, wo hingegen das Practice Chanter ein Übungsinstrument darstellt.

Das Practice Chanter

Als Anfänger sollte man unbedingt auf einem Practice Chanter beginnen, um seine Finger zu trainieren, bevor man sich mit der Bagpipe auseinandersetzt. Denn beim Spielen auf der Bagpipe wäre ein Anfänger körperlich und motorisch noch überfordert, da die Bewegungsabläufe noch zu unklar und schwierig sind.

In Schottland spielen die jungen Piper zwei Jahre lang ausschließlich auf dem Practice Chanter, bevor sie anfangen dürfen auf der Pipe zu spielen, um die richtige Fingertechnik und Fingerfertigkeit zu erlernen.

Es gibt Practice Chanter in verschiedenen Größen und Verzierungen. Ein Practice Chanter besteht aus dem Chanterkopf und dem Chanterunterteil, die man wie z.B. bei einer Blockflöte zusammenstecken kann. Damit jedoch ein Ton entstehen kann, braucht man ein Reed (Rohrblatt), welches in das Chanterunterteil hineingesteckt wird.

Beim Spielen des Practice Chanter legt man dieses mit der Chantersohle auf das linke oder rechte Knie oder man stützt es auf einen Tisch auf, um die Finger zu entlasten und besser bewegen zu können.

Bei einem Practice Chanter, sollte man darauf achten; dass keine Beschädigungen am Instrument zu sehen sind und dass das Practice Chanter sauber gearbeitet ist. Die Bohrungen des Practice Chanters sollten gerade sein, keine Gratstellen aufweisen und die Bohrung durch das Practice Chanter sollte glatt und nicht aufgeraut sein. Aufgeraute Bohrungen beeinträchtigen die Klangqualität des Chanters in hohem Maße.

Das Pipe Chanter

Beim Chanter für die Great Highland Bagpipe verhält es sich gleich dem Practice Chanter. Das afrikanische Schwarzholz (Blackwood) wird Stück für Stück sorgfältig ausgewählt und viele Jahre gelagert, bis es verarbeitet wird.

Kunststoff-Chanter werden häufig von Pipe Bands gespielt. Man spricht dann auch von sogenannten Matched Chanter. Die Matched Chanter sind alle gleich produziert und daher im Ton identisch, sodass das Stimmen der Chanter einer Pipe Band enorm erleichtert wird. Der Klang der Band wird dadurch viel besser, als mit verschiedenen Chanter verschiedener Hersteller, die untereinander oftmals nicht gestimmt werden können.

Die Rohrblätter

Es gibt zwei Arten von Reeds, aus Plastik oder aus Schilfrohr. Jedoch verwendet man heute beim Practice Chanter fast ausschließlich Plastikreeds, da sie leichter zu blasen sind und beim geringsten Luftfluss anfangen zu schwingen, und es so ermöglicht, sich auf seine Finger zu konzentrieren. Diese aus Kunststoffplättchen gefertigten Reeds sind somit wesentlich länger haltbar als Holzrohrblätter.

Die Reeds sollten gleichmäßig und sauber gearbeitet sein. Sie sollten nicht zu hart, aber auch nicht zu weich sein. Die Öffnung der Lippen muss sehr flach gerundet sein, sie darf nicht so groß sein, dass die Lippen mehr als einen Millimeter auseinander stehen.

Sollte einmal ein Reed etwas zu hart sein, dann kann man es zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und etwas zusammendrücken. 15 bis 20 Sekunden reichen. Lässt sich das Reed dann spielen, ist es gut. Man kann die Prozedur wiederholen, denn nach einer gewissen Zeit wird das Reed wieder härter.

Sollte diese Methode nicht helfen, kann man das Reed mit einem Messer ein ganz klein wenig an den Kanten abschaben. Aber Vorsicht, nimmt man zu viel weg, ist das Reed zu weich und man überbläst es. Das Reed ist dann unbrauchbar.

Die Great Highland Pipe (Dudelsack)

Die Great Higland Bagpipe (der schottische Dudelsack) gehört zu den Holzblasinstrumenten (also der großen Familie Aerophon), zur Familie der Rohrblattinstrumente und zur Gruppe der Sackpfeifen. Einige bezeichnen den Dudelsack auch als Urorgel.

Sie besteht aus einer Melodiepfeife (Chanter), die ein Doppelrohrblatt enthält und 8 Grifflöcher mit 9 Tönen aufweist. Drei Drones oder Bordunen sorgen für einen Begleitakkord, auch sie enthalten je ein Rohrblatt, allerdings mit nur einer Zunge. Über das Blasrohr (Blowpipe) mit einem Rückschlagventil wird die Luft in den Windsack oder Bag geblasen. Von hier aus strömt die Luft in die Pfeifen und bringt die Rohrblätter zum Schwingen.
Die Pfeifen bestehen meist aus Holz, der Sack aus Leder oder aus Goretex, und die Beschlagteile aus Metall oder Kunststoff, früher waren sie aus Elfenbein.

Die Holzteile

Die Holzteile werden aus “Grenadill” (dalbergia melanoxlon) gedrechselt. Dieses Holz heißt in England “African Blackwood”. Es ist das mit Abstand beste Material für alle Arten von Holzblasinstrumenten.

Leider stammt dieses Holz von einem relativ kleinen, strauchartigen Baum, der sehr langsam wächst und das nur in einem kleinen Teil von Tansania. Das Holz für einen Dudelsack braucht mindestens 25 Jahre zum Wachsen. Die Nachfrage durch die Holzblasinstrumentenbauer der ganzen Welt ist beträchtlich größer als das Angebot, und der Preis dementsprechend hoch. Denn dieses Holz enthält ein eingelagertes Öl, das für eine gute Beständigkeit gegen Feuchtigkeit sorgt. Es gibt Ersatzstoffe wie Ebenholz und Rosenholz (Palisander), die allerdings nicht so gut aussehen und nicht ganz so wasserfest sind wie Blackwood. Neuerdings wurden auch gewisse Kunststoffe aus der Nylon-Familie verwendet. Bei preiswerten Instrumenten ist gegen die Verwendung dieser Ersatz-Materialien nichts einzuwenden, und manche Kunststoff-Chanter sind für Anfänger und Pipe Bands sogar besser geeignet als empfindliche Blackwood Chanter.

Das Rohholz wird bereits vom Holzhändler in passende Kanteln von ca. 2 Zoll Querschnitt geschnitten und vorsortiert. Stücke, die dem Pipemaker für Chanter geeignet erscheinen, werden der Länge nach durchbohrt und dann teilweise jahrelang gelagert. Drones und Blowpipe werden nicht so lange gelagert, sondern oft aus kammergetrocknetem Holz hergestellt.

Zur Verarbeitung werden die Hölzer weiter auf den passenden Durchmesser aufgebohrt und fein ausgerieben. Gerade letzteres ist aufwendige Handarbeit und wird bei billigen Instrumenten oft unterlassen. Danach wird die Außenform gedrechselt, bei guten Instrumenten selbstverständlich vollständig mit der Hand. Nach der Oberflächenbehandlung werden die Wicklungen angebracht.

Der Luftsack

Der Luftsack hält die Pfeifen zusammen, doch seine Hauptfunktion ist die eines Vorratsbehälters für Luft. Dazu muss er dicht sein. Gleichzeitig soll er die eingeblasene Atemfeuchtigkeit wieder nach außen abgeben können.

Traditionell wird als Material Leder verwendet. Es wird mit Seasoning, einer Flüssigkeit ,wie Honig abgedichtet. Seasoning nimmt gleichzeitig die Feuchtigkeit auf und gibt sie nach außen ab. Es werden verschiedene Arten von Leder verwendet, wie Schafleder, das gut für das schottische Klima geeignet ist, allerdings sind die Säcke klein und halten nicht so lange. Oder Rindleder, das als Universalmaterial gut geeignet ist und größere Säcke zulässt, aber nur 3 bis 5 Jahre hält.
Seit einigen Jahren gibt es Säcke aus Goretex-Material, das absolut dicht ist und die Atemfeuchtigkeit gut abführt.

Cover und Cords

Sie dienen im Wesentlichen nur dem Aussehen der Pipe. Das Cover ist die Samthülle, die den Ledersack umhüllt. Sie verdeckt den oft unansehnlichen Ledersack. Die Cords mit Troddeln (die sich kunstvoll am Ende der Cords befindlichen Bommeln, die die schottischen Distelblüten darstellen und das Wahrzeichen Schottlands sind) halten die Drones in korrekter Position und sind aus Seide oder Wollstoff. Cords und Cover sollen das Aussehen der Pipe verschönern. Sie sind daher in allen denkbaren Tarten und ebenso auch in den natürlichen traditionellen Farben Schwarz, Blau, Rot und Grün vorhanden.

Das Drum Corps

Das Pipe-Band-Drum-Corps hat die Aufgabe, die Pipes mit einem Rhythmus zu unterstützen. Die Noten, die vom Drum Corps gespielt werden, sind in der Regel rudimentäre Muster und können oft ziemlich kompliziert sein, mit Solo-, Unison- und kontrapunktischen Passagen. Ein oft verwendetes Muster in vielen Partituren ist es, dass der Leading Drummer eine Phrase vorspielt und der Rest des Drum Corps darauf antwortet.

In Pipe Bands spielt die Pipe-Sektion die traditionellen oder Standard-Arrangements der Melodien, die Trommlernoten werden häufig vom Leading Drummer der Band geschrieben.

Bassbereich

Der Bassbereich wird auch als „midsection“ bezeichnet. Er besteht normalerweise aus einer Gruppe von Tenor-Trommlern und einem Bass-Trommler. Die Aufgabe der midsection ist es, die gesamte Band rhythmisch zu unterstützen.

Hier die drei unterschiedlichen Trommeltypen, die bei uns zum Einsatz kommen:

Bass Drum

Jeder kennt bestimmt die „dicke Trum“ in einem deutschen Spielmannszug. In der Bauart unterscheiden sich die deutsche und die schottische Bass Drum grundsätzlich nicht, in der Spielweise dafür aber sehr. Während die deutsche Trum mit kräftigen horizontalen Schlägen bearbeitet wird, wird die schottische Bass Drum eher mit vertikalen Schlägen gestreichelt. Um den gewünschten tiefen, warmen und dumpfen Klang zu erhalten sind im Trommelinneren Schaumstoffringe eingelegt bzw. auf den Trommelfellen Filzstreifen aufgeklebt.

Die Bass Drum ist der akustische Taktgeber der gesamten Pipe Band. Der Bass Drummer übernimmt den vorgegebene Takt des Pipe Majors (Taktfuß des PM) oder je nach Sicht den des Leading Drummers. Der Schlag der Bass Drum soll mehr gefühlt als gehört werden. Das Ohr der Zuhörer ist hier weniger das Ziel, es geht mehr darum den Bauch zu treffen. Die Drum soll der Melodie folgen, ihr Schlag bleibt aber eher einfach, Verzierungen in den Schlägen werden selten gespielt. Normalerweise wird mit kräftigen Signalschlägen (Rolls, Double Beat) der Beginn und das Ende eines Sets angezeigt.

Die Beater (Trommelschlegel) erinnert ein wenig an einen Bildhauerschlegel wurden aber auch schon von einem übermütigen Journalisten als Klobürste bezeichnet. Sie bestehen aus dem Griff und dem ca. 15 cm langen zylindrischen Schlegel aus einem fellähnlichen synthetischen Material.

Tenor Drum

Die Tenor Drum besteht aus einem hölzernen Trommelkessel (Rahmen), zwei Trommelfellen (Heads) und der Verspannung. Der Aufbau entspricht in etwa der einer Landsknecht-Trommel. Die Tenor Drums gibt es in verschiedenen Größen (z.B. 14“x12“, 15“x12“, 16“x12“,18“x12“, 20“x14“), dabei gilt je größer die Trommel desto dunkler der Ton.

Die Beater haben einen kurzen Kunststoffgriff, sind relativ kurz und haben einen weichen Fellkopf. Sie werden mit einer Schlinge an der Hand fixiert.

Der Tenor Drummer hat die Aufgabe, Schnörkel in Form kurzer, schneller Wirbel oder Zwischenschläge in das Spiel des Drum Corps einzubauen. Dabei hält er sich immer an den vorgegebenen Grundrhythmus der Bass Drum. Zwischen ihren Schlägen lassen die Tenor Drummer ihre Beater beim sog. „Flourishing„, zur Überbrückung ihrer „Leerlaufzeiten“, in verschiedenen Figuren herumwirbeln, was für den besonderen optischen Showeffekt sorgt.

Tenor-Trommeln in ihrer modernen Form sind eine relativ neue Ergänzung der Pipe-Bands, es wird sorgfältig überlegt, welche Tonhöhen zu welchem Zeitpunkt verwendet werden sollen. In einigen Fällen wurden fünf oder sechs Tenor-Trommler verwendet, die eine Palette von individuellen Tonhöhen zur Verwendung in einer Vielzahl von musikalischen Situationen bereitstellen. Die Tonhöhen helfen, den Dudelsack melodisch oder harmonisch zu begleiten. Dadurch wird ein dynamischerer Fluss zwischen dem Trommelkorps und dem Pipe Corps geschaffen. Das Schwingen, auch bekannt als Flourishing, hat sich etwas zu einer Kunstform entwickelt, bei der Trommler im Einklang oder nacheinander spielen und schwingen. Tenor-Trommeln werden auch häufig noch mit einem weichen Gurtzeug oder einer Schlinge gespielt, anstelle des typischen festen Metallträgergestells (Carrier), das von den Snare-Trommeln verwendet wird.

Side Drum / Snare Drum

Die Side Drum ist die eigentlich hervorstechende Trommel des Drum Corps. Die schottische Side Drum (Snare Drum) ist die am härtesten gespannte Trommel der Welt, ein einzelner Schlag auf dieser Trommel hört sich daher fast wie ein Pistolenschuss an. Im Gegensatz zu den in Deutschland im Tambourchor o.ä. gespielten „Rührtrommeln“ (mit einem Snare-Teppich unter dem oberen Trommelfell), ist bei der Snare Drum unter beiden Trommelfellen ein Snare-Teppich gespannt. In den frühen Tagen der Pipe-Bands waren Seilzugtrommeln üblich, aber als sich die Technologie weiterentwickelte, tat dies auch die Musik. Pipe-Band-Trommler spielen heute auf Drums mit sehr eng gestrickten Kevlar-Trommelfellen (Heads), die für maximale Spannung ausgelegt sind, um einen sehr knackigen und strengen Sound zu erzeugen. Die Spannung erfolgt heute über Schrauben. Die Snare Drum wird heute im Regelfall mit einem festen Gestell (Carrier aus Aluminium oder Stahl) getragen. Aufgrund technologischer Innovationen und veränderter Ästhetik ist diese Schärfe zu einem festen Bestandteil des Pipe-Band-Sounds geworden. Da die heutige Trommel aufgrund ihres Designs so einfach ist, können Spieler oft sehr komplizierte und technisch anspruchsvolle rudimentäre Muster ausführen.

Die Drum Sticks sind aus Holz, verlaufen konisch und verdicken sich zum Ende hin.

Allgemeines

Es gibt natürlich diverse Hersteller von schottischen Trommeln. Es ist halt Geschmackssache welchen Hersteller man wählt. Wir in unserer Band spielen auf Drums der Marke Andante.

Wir hoffen, wir konnten Euch das Thema Drum Corps etwas näher bringen. Mehr Informationen zum Thema Pipe Band Drumming findet Ihr im Internet.